Der SV Boostedt Disc Golf Center mit inzwischen 22 Bahnen ist im Jahr 2026 in die Top 10 der besten Disc Golf Parcours in Deutschland bei UDisc gewählt worden. Es war ein langer und spannender Weg von der ersten Idee in 2017 bis zum heutigen Vereinsleben der Disc Golf Sparte und dem SV Boostedt Disc Golf Center Parcours.
Mats Kipper führte in diesem Frühjahr ein Interview mit Kai Christophersen, um sich über Tipps und Erfahrungen von Kai für andere Initiativen auszutauschen.

Der SV Boostedt veranstaltet zweimal im Jahr ein überrregionales Disc Golf Turnier, die SV Boostedt Spring Open und die SV Boostedt Winter Open, führt jeden Samstag eine Quartalsliga (Handicap Turnierserie) durch und hat seit 2018 eine dynamische und tolle Disc Golf Community für Schleswig-Holstein in Boostedt entwickelt.

Kai ist Gründer und Spartenleiter der Disc Golf Sparte im SV Boostedt von 1922 e.V., Ambassador Team Discmania und Disc Golf Trainer (Lizenz C DOSB). Er hat die Disc Golf Community in Boostedt und den Boostedt Disc Golf Center Parcours gegründet und von Tag 1 durch alle Höhen und Tiefen begleitet.

Vielleicht gibt das Interview ja die Antwort auf “How to Boostedt Disc Golf Center?” 😉 Viel Spaß beim Lesen!
Die Anfänge in Boostedt
Mats: Wie ist ursprünglich die Idee entstanden, einen Disc Golf Parcours in Boostedt zu etablieren?
Kai: „Ich bin im Sommer oft in Finnland – ich habe finnische Wurzeln, die deutsche und finnische Staatsbürgerschaft und bin am Polarkreis geboren. Dort ist Disc Golf wirklich Teil des Alltags: In fast jedem Ort gibt es einen Parcours, und im Supermarkt stehen Scheiben quasi neben den Windeln. Das hat mich fasziniert. Ich habe es ausprobiert, war sofort Feuer und Flamme – und dachte: Das muss auch in Boostedt möglich sein.
Disc Golf ist naturnah, generationenübergreifend und unglaublich niedrigschwellig. Man hat schnelle Erfolgserlebnisse, ist draußen, kommt in Kontakt – es macht einfach Freude. Im Sommer 2017 war für mich klar: Ich möchte in Boostedt einen Parcours und eine Vereinsstruktur dafür aufbauen. 2018 habe ich das dann im SV Boostedt konkret umgesetzt.“
Mats: Wer hat den ersten Kontakt zum Sportverein/zur Gemeinde hergestellt, und wie kam dieser Kontakt zustande?
Kai: „Den ersten Kontakt habe ich 2018 selbst zum SV Boostedt aufgenommen – und ich wollte das von Anfang an professionell machen. Ich habe mich deshalb vorab bei Discmania in Finnland gemeldet, meine Idee vorgestellt und mir Unterstützung organisiert – besonders mit gutem Bildmaterial und einem sauberen Überblick über den Sport. Über den deutschen Kontakt Gregor Marter kam da richtig Rückenwind – dafür bin ich bis heute dankbar.
Parallel habe ich meinen Blog aufgebaut (discgolfkueste.de) als Orientierung für Interessierte: Was ist Disc Golf, wie funktioniert es, was macht Disc Golf im Breiten- und Leistungssport aus, warum macht das Sinn im Verein? Dann habe ich einen Termin beim Vorstand vereinbart – und dort bin ich auf große Offenheit gestoßen. Die Gemeinde war am Anfang nicht der primäre Ansprechpartner, weil es zunächst um ein Vereinsangebot auf dem Sportpark ging. Grundsätzlich sind jedoch die Gemeinde und die Politik von großer Bedeutung für den Erfolg eines Disc Golf Angebots in einer Gemeinde.“
Mats: Welche Rolle hatte die Person beim Sportverein, mit der ihr initial gesprochen habt? War das der eigentliche Entscheidungsträger?
Kai: „Ja – der Vorstand war der zentrale Ansprechpartner und auch der entscheidende. Es ging um zwei Dinge: eine neue Sparte im Verein und die Nutzung des vereinseigenen Sportparks. Dafür braucht man eine klare Zustimmung und vor allem Vertrauen.“
Mats: Wie habt ihr den Sportverein initial angesprochen? Hattet ihr ein Konzept vorbereitet oder war es eher informelles Gespräch?
Kai: „Beides. Es gab einen lockeren Austausch – aber in der Vorstandssitzung hatte ich eine strukturierte Präsentation dabei, die alle Aspekte abgedeckt hat: Sportidee, Zielgruppen, Sicherheit, Pflege, Aufwand.
Wichtig war mir ein evolutionäres Vorgehen: nicht ‘wir bauen sofort 18 Bahnen’, sondern niedrig starten und mit Mitgliederentwicklung wachsen – also Risiken transparent klein halten. Wir hatten da bereits eine Idee vorgestellt, wie man im vorderen Wald mit 6 Körben und 9 Bahnen starten könnte.
Und ich habe klar gesagt: Ich stehe persönlich hinter dem neuen Sportangebot und bringe viel persönliches Engagement und Eigenleistung ein. Für einen Verein ist das entscheidend – niemand will investieren und dann ist nach zwei Jahren niemand mehr da. Das hat sich auch praktisch gezeigt: Am Tag des Sports in 2018 habe ich direkt eine Kennenlern-Aktion angeboten, noch mit geliehenen Körben von Gregor Marter und mit meinem ersten Mitstreiter Berko Guschall – und danach war ich über Jahre jeden Samstag bei jedem Wetter auf dem Platz, oft zu Beginn auch allein, später mit einer zunehmend größer werdenden Gruppe, stets aktiv bei der Grünpflege, auf Veranstaltungen im Dorf, bei Schulwandertagen oder auch als Interviewpartner für die lokale Presse, um das Disc Golf Angebot zuverlässig zu tragen und dabei auch persönlich Verantwortung für das Angebot zu zeigen.“
Mats: Welche Bedenken oder Einwände kamen direkt am Anfang?
Kai: „Ganz klassisch: Gelände-Nutzung, mögliche Konflikte mit bestehenden Sportarten, und der Pflegeaufwand – gerade im Wald. Und ein Thema war mir persönlich extrem wichtig: Sicherheit. Disc Golf macht Spaß, aber fliegende Scheiben können gefährlich sein, wenn man das falsch plant.
Ich habe deshalb von Anfang an darauf geachtet, dass der Parcours so gestaltet ist, dass auch ohne Aufsicht niemand gefährdet wird – also Wurfrichtungen, natürliche Fades, Abstände. Ein einziger blöder Unfall kann eine junge Sparte massiv zurückwerfen.
Es gab auch Diskussionen mit Disc Golfern, die lieber maximal wachsen wollten – aber ich war da konsequent: Sicherheit und Vereinsfrieden sind wichtiger als bspw. ‘noch eine Bahn’.“
Mats: Wie lange hat es vom ersten Gespräch bis zur Genehmigung der ersten 9 Bahnen gedauert?
Kai: „Vom ersten Kontakt 2018 bis zur offiziellen Gründung Anfang 2019 und dem Bau der ersten 9 Bahnen im Frühjahr 2019 – etwa ein Jahr.“
Die ersten 9 Bahnen – Genehmigungsprozess
Mats: Wem gehört das Gelände rechtlich?
Kai: „Der Parcours liegt auf dem Sportpark des SV Boostedt – also Vereinsgelände. Der Sportpark ist von der Gemeinde kostenfrei gepachtet – das ist bei vielen Sportvereinen eine typische Konstellation.“
Mats: Welche formellen Genehmigungsschritte waren notwendig?
Kai: „Entscheidend war die Zustimmung des Vereinsvorstands. Weil es Vereinsgelände ist, lief der Prozess intern – klar, sauber, transparent.“
Mats: Mussten andere Sportabteilungen eingebunden werden?
Kai: „Ja – und das war ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Besonders wegen der Nähe zu Fußballflächen. Die enge Abstimmung im Verein war von Anfang an Teil des Konzepts.“
Mats: Gab es Auflagen oder Bedingungen?
Kai: „Ein zentraler Punkt war die Waldpflege. Für den Bau mussten wir die Waldstücke intensiv aufräumen und pflegen – am Anfang oft allein oder zu zweit und dann mit vielen helfenden Händen. Das war viel Zeit und Herzblut.“
Mats: Welche Versicherungsfragen kamen auf?
Kai: „Disc Golf wurde als Sparte in die Vereinsstruktur integriert, die Mitglieder sind damit über den Verein versichert. Die Nutzung des Parcours erfolgt ansonsten auf eigene Gefahr.“
Erweiterung & Ausbau des Parcours
Mats: Wann kam die Idee auf, weiter auszubauen?
Kai: „Relativ schnell – weil die Nutzung und das Interesse gewachsen sind. Aber immer evolutionär. Erst stabil betreiben, dann professionalisieren, dann erweitern. Am Ende bedeutenauch mehr Bahnen, mehr Pflegeaufwand, der nicht die vorhandenen Mitglieder überfordern darf.“
Mats: Was war dir beim Ausbau besonders wichtig?
Kai: „Drei Dinge: Sichtbarkeit, Professionalität, Pflege.
• Sichtbarkeit: Ein zentraler, professioneller Parcours-Plan am Eingang und Schilder an den Abwürfen – die Körbe sieht man als Interessent sonst oft gar nicht.Beschilderungen machen aufmerksam, sie wirken wie Werbebanner und geben Orientierung.
• Professionelle Sportstätte: Professionelle Körbe, befestigte Abwürfe (möglichst Kunstrasen, auch Pflasterung), klare Orientierung – nur so wird der Sport als ‘richtige Sportart’ wahrgenommen und anerkannt.
• Kontinuierliche Grünpflege: Ein gepflegter Parcours zieht Menschen an – ein verwilderter schreckt ab.
Wichtig aus meiner Warte: Fußballer spielen nicht auf einem schlechten Rasen, Beachvolleyballer nicht über ein Seil. Disc Golf muss also den gleichen Anspruch an sich stellen und erfüllen, um als Breiten- und Leistungssport ernst genommen zu werden.“
Mats: Was hatte sich seit der ersten Genehmigung verändert?
Kai: „Wir waren etabliert: regelmäßiger Trainingsbetrieb, Turniererfahrung durch die SV Boostedt Spring und Winter Open (erstmalig in 2019), eine starke Gemeinschaft. Und vor allem: Vertrauen. Der Verein hat gemerkt, dass wir nachhaltig denken, nicht überziehen und Rücksicht auf andere Sportartennehmen und aktiv unser Sportangebot betreiben. Ein Verein ist ein soziales Gefüge – wenn man das respektiert, kann man sehr viel gemeinsam bewegen.“
Mats: Musstet ihr erneut Genehmigungen einholen?
Kai: „Ja – jeder Ausbau wurde erneut sauber mit dem Vorstand abgestimmt.“
Mats: Baum- und Buschpflege: Wie lief das ab?
Kai: „Intensive Pflege, aber naturverträglich und planvoll. Wir haben hunderte ehrenamtliche Stunden investiert und zwei feste Grünpflege-Termine pro Jahr koordiniert.
Aus Erfahrung haben wir die Pflege in vegetationsarmen Zeiten gelegt – Frühjahr oder früher Herbst – weil man sonst enorme Biomasse hat, die entsorgt werden muss. Daher liegen auch unsere Turniere bewusst in vegetationsarmen Phasen.“
Mats: Gab es Konflikte mit anderen Sportarten?
Kai: „Keine größeren – weil wir klar kommuniziert haben und klare Regeln hatten. Wichtig ist: die Interessen der anderen ernst nehmen, transparent sein und konsequent handeln. Kommunikation ist da wirklich das A und O.“
Mats: Was war das größte Hindernis?
Kai: „Der Zeit- und Arbeitsaufwand – der wurde vollständig ehrenamtlich getragen.“
Turniernutzung der Fußballfelder
Mats: Wie habt ihr die Genehmigung erreicht, Fußballfelder für Turniere zu nutzen?
Kai: „Durch enge Abstimmung und weil wir sehr verantwortungsbewusst damit umgehen. Ein Disc-Golf-Turniertag belastet einen Rasen weniger als ein Fußballspieloder -Training mit Stollenschuhen – trotzdem sichern wir Abwürfe auf dem Rasen mit Kunstrasenmatten ab, um punktuelle Belastung des Rasens zu vermeiden.
Und ganz wichtig: abends alles wieder runter und restlos aufräumen. Auf einem Fußballfeld darf nichts liegen bleiben – keine Haken, keine Markierungen. Wenn sich ein Fußballer wegen eines vergessenen Hakens verletzt, ist das verständlicherweise ein No-Go.“
Mats: Gab es Bedenken von der Fußballabteilung?
Kai: „Natürlich gibt es in Einzelfällen kritische Situationen – auf beiden Seiten. Entscheidend ist, schnell zu reagieren, sauber aufzuklären und klar zu zeigen: Wir nehmen das ernst. Das hält das Miteinander stabil.“
Beziehung zum Sportverein & Finanzierung
Mats: Wie hat sich die Beziehung zum Verein entwickelt?
Kai: „Sie war sehr eng zu Beginn und ist sogar noch enger geworden. Disc Golf ist heute fester Bestandteil des Vereinslebens – mit großem gegenseitigem Vertrauen.“
Mats: Welchen Nutzen hat der Sportverein?
Kai: „Ich sehe u.a. folgende Nutzen:
• Mitgliedergewinnung über alle Altersgruppen und Fitnesslevel hinweg
• Modernes, attraktives Sportangebot in einer Trendsportart
• Positive Außenwirkung / Berichterstattung, da auch Schulen und Jugendtreffs das Angebot nutzen
• Belebung des Sportparks
• Mehr Präsenz auch zu trainingsfreien Zeiten (positiver Nebeneffekt: weniger Vandalismus)”
Mats: Gibt es Pacht oder Nutzungsgebühren?
Kai: „Nein. Disc Golf ist eine Vereinssparte und nutzt das Gelände im Rahmen der Vereinsstruktur. Für regelmäßige Disc Golf Spielende in Boostedt ist eine Mitgliedschaft im Verein obligatorisch, damit wir unser Angebot aufrechterhalten und weiterentwickeln können.“
Mats: Wie wurde der Parcours finanziert?
Kai: „Durch eine Mischung aus Vereinsunterstützung (i.W. Mitgliedsbeiträgen), Eigenmitteln der Sparte, Fördermitteln (Gemeinde/Sportverband) – und sehr viel ehrenamtlicher Eigenleistung.“
Mats: Gab es öffentliche Fördermittel?
Kai: „Ja – über den Verein haben wir Förderbeträge bei Gemeinde und Sportverband beantragt und auch erhalten. Den größten Anteil tragen aber Vereinsunterstützung und Eigenmittel. Der Vorteil in einem großen Verein: Wenn ein Antrag nachvollziehbar und vernünftig ist, kann der Verein Finanzierung strukturiert organisieren. Wichtig aus meiner Sicht, um sich nicht zu sehr abhängig von Förderbewilligungen zu machen, ggf. mit kleinen Schritten starten und evolutionär wachsen.“
Risiken, Probleme & Lessons Learned
Mats: Was war schwieriger als erwartet?
Kai: „Der dauerhaft notwendige Pflege- und Arbeitsaufwand, insbesondere im Wald.“
Mats: Gab es kritische Vorfälle?
Kai: „Nein – das respektvolle Miteinander im Sportpark hat sich bewährt und schnell zu reagieren, wenn etwas nicht ganz rund läuft.“
Mats: Was würdet ihr heute anders machen?
Kai: „Rückblickend wenig – die wichtigste Erkenntnis ist: Im Ehrenamt geht es nicht nur um die eigene Sparte, sondern um den gesamten Verein. Solidarität und Dankbarkeit sind der Schlüssel, wenn man sich langfristig etablieren will.“
Mats: Größte Fehleinschätzung?
Kai: „Wir haben unterschätzt, wie stark Disc Golf wächst – und wie viel Engagement entsteht. Das ist wunderschön, aber manchmal muss man auch gute Ideen bremsen, um Fokus zu halten. Ehrenamtliche Kapazität ist ein begrenztes Gut – da muss man wie ein ‘Betriebswirt im Ehrenamt’ entscheiden: Wo investieren wir unsere Energie – und wo nicht. Daher möchte ich auch nochmal hier meinen riesigen Dank für die Disc Golf Community in Boostedt ausdrücken. Ohne das tatkräftige Engagement aller hätten wir uns nicht so toll entwickelt. Ich möchte mich auch nochmal für die jahrelange Unterstützung von Discmania Discs bedanken, die mich als Ambassador im Team Discmania früh aufgenommen undmich durchgehend begleitet haben. Vielen Dank.“
Mats: Rat an andere Initiativen?
Kai: „
• Verein früh einbinden, nutzt die bestehenden Strukturen im Verein (Mitgliederverwaltung, Kontakte zu Gemeinde und Verbänden, Vereinsgelände, Finanzierung, usw.), dadurch kann man sich auf den Sport und die Öffentlichkeitsarbeit konzentrieren
• Eigenleistung realistisch planen und Dankbar sein: Es ist alles nur Ehrenamt.
• Regelmäßige und transparente Kommunikation mit allen Beteiligten und Betroffenen
• Disc Golf als Gemeinschafts- und Familien- und Breitensport vermitteln, den Einstieg stets locker gestalten
Vielen Dank für Deine Idee zum Interview und unserem heutigen Austausch. Das hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich hoffe, ich konnte kleine Impulse und erste Tipps für Disc Golfer geben, die gerade vor einer ähnlichen Aufgabe stehen. Deine Fragen haben spannende Aspekte beim Aufbau einer Disc Golf Anlage in einem Verein angesprochen. Natürlich stehe ich auch sehr gerne im Nachgang für Fragen und Tipps zur Verfügung. Über mein Instagram-Profil discgolfkueste oder meine gleichlautende Webseite und eMail kch@discgolfkueste.de können mich Disc Golfer, die gerade vor ähnlichen Aufgaben stehen, mich gerne erreichen. Ich unterstütze gerne #growthesport 😉 !
Vielen Dank.“

